Der König „Aslan“ in den Chroniken von Nanija sagte: „Wir werden in unserem Leben niemals eine Situation auf die gleiche Weise zweimal erleben…“ und schon gar nicht mehrfach! … unabhängig davon, ob diese Situationen für uns als positiv oder negativ gewertet werden. Jede Situation ist einmalig und wird in der gleichen Weise niemals wieder in unserem Leben vorkommen. Allerdings erinnern und tragen wir gerne die Situationen durch unser Leben, die gar schmerzliche zustände bei uns hervorgerufen haben.

Zudem und jetzt kommt das Übel an der Sache, fragen wir uns dann auch noch häufig: was wäre wenn geschehen…, hätte ich doch einmal…, und das böse Wort „warum“…, wieso ich…, was habe ich falsch gemacht… usw.. Fragen über Fragen tauchen auf, belasten unser Denken, beeinträchtigen Tagesabläufe, Arbeitsalltag, Beziehungen und Entspannungsphasen bis in den Schlaf. Wenn wir mal ehrlich mit uns sind, wird uns dieses Verhalten niemals weiter bringen und schon überhaupt keine Antworten liefern, die uns beruhigen und zufrieden sein lassen. Somit erscheint es sinnvoll, die eigenen Emotionen, das Erleben und die folgenden Aktionen auf das „Heute und Morgen“ zu konzentrieren und das Vergangene ruhen zu lassen. Aber wie soll das gehen und was kann das bedeuten?

Das bedeutet wahrlich nicht, die vergangenen Erlebnisse zu unterdrücken oder auszulöschen, nein und das wird uns auch niemals gelingen. Alles das, was wir Menschen erleben, hören, lernen und erfahren, wird in unserem Gedächtnis gespeichert, zunächst subjektiv selektiert und bei subjektiver Brauchbarkeit in unserem Archiv abgelegt. Die selektive Brauchbarkeit beinhaltet sowohl positive als auch negative Impulse. Sie können sich das so vorstellen, dass wir ständig Informationen aus unserer Umwelt aufnehmen und unser Gehirn aus mehreren Speichern besteht. Diese Speicher, als das Gedächtnis im Allgemeinen, besitzt zudem unterschiedliche Speicherkapazitäten und Füllungszustände. Hört sich vielleicht kompliziert an, ist es aber nicht.

Stellen Sie sich das menschliche Gedächtnis vor wie ein Trichter, der aus drei Etagen besteht. Die obere Etage, also der Eingang des Trichters besteht aus dem sogenannten sensorischen Register, die zweite untere Etage besteht aus dem Kurzzeitgedächtnis und die dritte untere Etage besteht aus dem Langzeitgedächtnis. Was soll das jetzt bedeuten fragen Sie sich vielleicht?!

Das sensorische Gedächtnis wird auch als Ultrakurzzeitgedächtnis bezeichnet, es registriert und filtert die über die Wahrnehmungsorgane eingegangenen Informationen und leitet sie, wenn für uns brauchbar, an das Kurzzeitgedächtnis weiter. Die Auswahl, ob Informationen für uns brauchbar sind oder nicht, dauert nur ein Bruchteil einer Sekunde und das bekommen Sie bewusst nicht einmal mit. Das was an Informationen brauchbar ist, wird an unser Kurzzeitgedächtnis weitergeleitet und alle anderen Informationen, von denen wir sowieso bewusst nichts wissen, werden einfach gelöscht. Nur zum Verständnis: Die Auswahl der wichtigen Informationen in diesem Zusammenhang hängt von subjektiven Prozessen an, wie z.B. von Erfahrungen, Persönlichkeit, eigenen Interessen und aktuellen Bedürfnissen.

Befindet aber das sensorische Register Informationen für brauchbar, so werden diese ins Kurzzeitgedächtnis weitergeleitet. Das Kurzzeitgedächtnis versteht sich als eine zentrale Verarbeitungsinstanz des Gedächtnisses und wird auch gerne als sogenannter „Arbeitsspeicher“ bezeichnet. Hier handelt es sich im Gegenteil zum sensorischen Register schon um komplexere Vorgänge, aber auch diese sind zu verstehen. Stellen Sie sich das Kurzzeitgedächtnis vor wie eine zentrale Verarbeitungsinstanz des Gedächtnisses im Allgemeinen oder wie einen Arbeitsspeicher eines PC`s. Denn die aus dem sensorischen Register einhergehenden Informationen werden hier geordnet, miteinander verbunden und mit bereits vorhandenen Informationen des Langzeitgedächtnisses abgeglichen. Auch davon werden Sie kaum etwas mitbekommen. Es handelt sich hierbei um eine Art Automatismus.

Das Langzeitgedächtnis ist der Teil des Gedächtnisses, indem alle bisherig gemachten Erfahrungen und Informationen, die für Sie brauchbar in Ihrem Leben sind abgespeichert werden. Diese Informationen werden im Bedarfsfall dem Kurzzeitgedächtnis zur Verfügung gestellt. Das Archiv des Langzeitgedächtnisses ist so groß und abhängig von chemischen und strukturellen Veränderungen an den Nervenzellen, dass es sehr schwierig sein wird sich an alles zu erinnern. Allerdings können wir uns besser an die gespeicherten Informationen erinnern, je öfter diese aufgerufen werden.

Leider sind das im größten Maße unterbewusste Vorgänge, die wir bewusst nicht beeinflussen können. Manchmal reichen aber Gespräche schon aus, um an das archivierte Material kommen zu können.

Vielmehr bedarf es eines Loslassens der vielleicht auch schmerzlichen Erlebnisse der Vergangenheit, ein Annehmen der erlebten, erfahren und durchlebten Situation. Dieses Annehmen kann bedeuten, sich von dem Ereignis emotional zu verabschieden, den Schmerz und die entstandene Verletzung heilen zu lassen sowie der erlebten Situation mit Akzeptanz in die Augen zu sehen. Verdrängung scheint auf Dauer ein nicht lebbarer Prozess, eher scheint die Akzeptanz der erlebten Situation und das emotionale Loslassen ein Schritt in das Leben zu sein. Besinnen wir uns deshalb lieber auf unsere Stärken und blicken wir den schönen Seiten unseres Lebens ins Gesicht. Wie wäre das?

Ich wünsche allen eine schöne Zeit und sage mit lieben Grüßen bis bald,

 

Vera Pesch

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